bdla-Ereignisse

1933

schließen (x)

Im selben Jahr

 

 

«

»

© 1933 • bdla • bdla

Anerkennung des BDGA durch den nationalsozialitischen Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure

«

»

© 1936 • Die Straße, 3, 20, 642 • public domain

"Reichslandschaftsanwalt" Alwin Seifert wir Adolf Hitler vorgestellt

«

»

© 1933 • Der Deutsche Gartenarchitekt • public domain

Aufruf des BDGA-Vorsitzenden zur "nationalsozialistischen Pflichterfüllung" am 1. Februar 1933

«

»

© 1933 • bdla • public domain

VDG löst sich selbst auf, Vorsitzender begrüßt die Gleichschaltung

BDGA und VDG im Nationalsozialismus Die Zerstörung der demokratischen Verbände der Gartenarchitekten

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 beginnt die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Es folgt die totalitäre Kontrolle über alle gesellschaftlichen Bereiche, auch über den Wirkungskreis der Gartenarchitekten. Bereits am 01. Februar 1933 ruft der Vorsitzende des Bundes Deutscher Gartenarchitekten zur „nationalsozialistischen Pflichterfüllung“ auf. Auch der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Gartenarchitekten begrüßt die nationalsozialistische Gleichschaltung, weil er sich davon eine einheitliche Organisation der Gartenarchitekten erhoffte.

In den Jahren 1933 und 1934 wird gemäß dem Reichskulturkammergesetz die Gleichschaltung der Gartenarchitekten und ihrer Verbände BDGA und VDG realisiert. Ein neuer „Bund Deutscher Gartengestalter“ tritt an ihre Stelle.

Der bdla hat anlässlich seines 75-jährigen Bestehens die Rolle und Funktion der Vorläuferverbände BDGA und VDG sowie des Bundes deutscher Gartengestalter innerhalb des Nationalsozialismus von Joachim Wolschke-Bulmahn und Gert Gröning untersuchen lassen. Sie beschreiben, wie einige Gartenarchitekten ihre Position im Nationalsozialismus erheblich ausbauen konnten. Andere unterlagen Berufsverboten, wurden aus rassischen und politischen Gründen verfolgt, starben wie das VDG-Mitglied Späth im Konzentrationslager.

Wolschke-Bulmahn und Gröning fassen in der genannten Untersuchung, die nachfolgend wörtlich wiedergegeben wird, zusammen: Der „Bund Deutscher Gartengestalter“, dies sei abschließend festgestellt, hat die Interessen des Berufsstandes der Gartenarchitekten nur höchst unzureichend vertreten. Er war ein den Gartenarchitekten aufgezwungener Verband, der mit seiner Tätigkeit die Machtinteressen des NS-Staates bei den Gartenarchitekten durchsetzen sollte.

Autor: Mario Kahl

Aus der bdla-Verbandschronik: 1913 – 1988. 75 Jahre Bund Deutscher Landschafts-Architekten BDLA, S. 59-77:

1933-1945
Die Zerstörung demokratisch legitimierter Interessenverbände im Nationalsozialismus

Mit dem Erlaß des Reichskulturkammergesetzes vom 22.9.1933 sollten die entsprechenden Berufszweige (Schriftsteller, Presse, Rundfunk, Theater, Musik, Bildende Künste…) in der Reichskulturkammer „organisiert“, das heißt vor allem kontrolliert werden, um die Durchsetzung nationalsozialistischer Ziele und nationalsozialistischer Ideologie zu garantieren. Auf dieser gesetzlichen Grundlage erfolgte auch die Gleichschaltung (1) der Gartenarchitekten. Die Reichskulturkammer unterstand dem Minister für Volksaufklärung und Propaganda, GOEBBELS. Im Reichskulturkammergesetz werden die Aufgaben der Kammer wie folgt beschrieben: „Die Reichskulturkammer hat die Aufgabe, durch Zusammenwirken der Angehörigen aller von ihr umfaßten Tätigkeitszweige unter der Führung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda die deutsche Kultur in Verantwortung für Volk und Reich zu fördern, die wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Kulturberufe zu regeln und zwischen allen Bestrebungen der ihr angehörenden Gruppen einen Ausgleich zu bewirken“ (2).
Innerhalb der Reichskulturkammer war die Reichskammer der bildenden Künste eine von sechs Kammern, in der neben den Gartengestaltern auch Architekten, Maler, Gebrauchsgraphiker etc. in 16 Fachverbänden organisiert waren. Durch den Erlaß von Anordnungen des Präsidenten der Kammer wurden zum Beispiel auch Fragen von Gebührenordnungen und Berufsbezeichnungen geregelt.
Als Beispiel für die ideologische Kontrolle, die durch die Kammer im Bereich der Gartenarchitektur ausgeübt wurde, sei hier nur aus einem Bericht über eine Rede des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, HÖNIG (Abb.35), zitiert: „Auch die Tätigkeit der Gartengestalter bedürfe einer Prüfung, führte Prof. HÖNIG weiter aus. Manche von ihnen würden den Anschein erwecken, als wüßten sie nicht, wo sie zu Hause seien und als wären sie in einer südlichen Landschaft am Werke. Zuweilen würden selbst die bescheidensten Aufgaben auf dem Gebiete der Gartengestaltung die seltsamsten Formen auslösen. Vielfach würde die Landschaft in den geschaffenen Gartenbildern leider nicht mitschwingen, sondern eine gewisse fremde Note zum Ausdruck kommen. Man sehe immer noch in zu großer Zahl Pergolas, Plattenwege, halbtropische Gewächse, Wasserbecken und dergleichen, nur nicht das, was unserer heimischen Landschaft voll und ganz entspräche. Hier sei eine Gefahr, die im Interesse einer guten Gartenkultur überwunden werden müsse“ (3).
Die von HÖNIG angesprochene südliche Landschaft ist mit großer Wahrscheinlichkeit in Italien zu suchen. Dort, wo die allenthalben unter den Gartenbeflissenen größte Aufmerksamkeit erregenden Anlagen der römischen geistlichen und weltlichen Fürsten lagen. In der etwa zehn Jahre vor HÖNIGs Ausführungen in zweiter Auflage erschienenen zweibändigen Geschichte der Gartenkunst von GOTHEIN werden die Gärten der italienischen Renaissance ausführlich dargestellt. Ganz ohne Zweifel haben diese Gärten für viele Gartenarchitekten Vorbildfunktion gehabt. Der vereinzelte Bau von Pergolen, die in den italienischen Gärten vielfach anzutreffen sind, hat, möglicherweise sichtbarer als manches andere Gartenelement, der Sehnsucht vieler Gartenbesitzer in Deutschland nach dem Aufenthalt unter südlicher Sonne Ausdruck verliehen. In eklatantem Gegensatz zu solchen Vorstellungen wurden nun jedoch in geradezu grotesker Weise ein NS-Gartentyp vorgeschrieben; und manch ein Gartenarchitekt hat versucht, sich derartiger Geschmacksdiktatur anzupassen. Unter anderem mit freiwilliger Selbstzensur und mit Anpassungsleistungen, die das Lächerliche solcher Bemühungen offenbaren, wurde das schwierige Unterfangen angegangen, den solchen Vorstellungen entsprechenden NS-Garten zu kreieren (4).

3.1 Die Auflösung von BDGA und VDG
Im folgenden soll nun nicht die nationalsozialistische Gleichschaltung, das heißt die Auflösung demokratischer Selbstorganisationen, die sich in den ersten beiden Jahrzehnten der Verbandgeschichte herausgebildet hatten, und die Unterstellung unter das Führerprinzip im einzelnen dargestellt werden. Es sollen nur einige, für die Art der Interessenvertretung nicht unerhebliche Aspekte zur Gleichschaltung von BDGA und VDG angesprochen werden.
Erste Hinweise auf die intendierte Zerstörung demokratisch legitimierter Interessenverbände, deren Entstehen ja nicht staatlicher Patronage zu verdanken war, gibt die NS-orientierte Darstellung des ehemaligen VDG-Mitglieds ALLINGER (Abb. 36), der maßgeblich an der Gleichschaltung der Gartenarchitekten, das heißt der z. T. erheblichen Einschränkung von deren Wirkungsmöglichkeiten bis hin zur Unterstützung des totalen Organisationsverbots, beteiligt war: „Es ist selbstverständlich, daß im Zuge dieser Neuordnung auch die bisher vorhandenen Berufs- oder Liebhaberverbände des Gartenbaus und der Gartengestaltung von der Bewegung mit erfaßt werden müssen, daß ihre Arbeit auf eine neue Grundlage gestellt wird und daß sie gleichzeitig auf Grund der neuen Eingliederung auch neue Aufgaben zugewiesen erhalten. Ebenso selbstverständlich aber ist, daß diejenigen Verbände oder Vereinigungen, die in den letzten Jahren schon nicht mehr recht lebensfähig waren, oder die sonstwie als entbehrlich und überflüssig, vielleicht sogar als für die Berufseinheit schädlich bezeichnet werden müssen, restlos zu verschwinden haben“ (5).
Was sich auf dem Gebiet der Gartenkultur im Lauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu eigenständigen Formen sozialer Organisation entwickelt und sich in der Weimarer Republik in gewisser Weise gefestigt hatte, wurde hier ohne viel Federlesen als einer neuen Grundlage und neuer Aufgaben bedürftig, als nicht mehr recht lebensfähig, als entbehrlich, überflüssig und ggf. als so schädlich bezeichnet, daß es „restlos zu verschwinden habe“. Diese Einschätzungen wurden wohl kaum von allen Mitgliedern der entsprechenden Organisationen geteilt. Führende Repräsentanten, die die Arbeit der jeweiligen Interessenverbände prägten, haben jedoch, so auch beim BDGA und beim VDG, versucht, die nationalsozialistische Machtergreifung auszunutzen, um den jeweiligen Anspruch als alleinige Standesorganisation der Gartenarchitekten zu sichern. Die Wege dazu waren allerdings recht unterschiedlich.
Erfolgreich bei der Ausweitung ihres Einflusses auf die Gartenarchitekten im NS-Staat waren letztlich nur die führenden Repräsentanten des VDG. Da der VDG sich in der Weimarer Republik als die weniger durchsetzungsfähige Organisation erwiesen hatte, sah sein Vorstand es nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als erfolgsversprechend an, einer zwangsweisen Auflösung des Verbandes zuvorzukommen und sich freiwillig aufzulösen.
Dies läßt sich einem vom damaligen Vorsitzenden des VDG HIRSCH verfaßten Rundschreiben entnehmen: „Seit Jahren waren wir bemüht, eine Einigung innerhalb der verschiedenen Verbände der Gartenarchitekten herbeizuführen, ohne dass wir zu einem Ziel kamen.
Es schien uns deshalb jetzt durch die allgemeine Gleichschaltung im Reich eine besonders günstige Gelegenheit gegeben, diesen Wunsch durchzuführen. Der Vorstand, ergänzt durch die Herren Gunder und Kempkes – Berlin, trat am 7.5. in Berlin zusammen und kam nach eingehender Durchsprache der derzeitigen Sachlage zu dem Beschluss, den Verband aufzulösen, um somit die Wege frei zu machen und zu erleichtern zu diesem Zusammenschluss. Bei diesem Beschluss waren wir uns vor allen Dingen darüber einig, dass gegenüber diesem großen Ziel alle die persönlichen Interessen des Verbandes und die vorangegangenen Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Verbänden zurückzutreten hätten. Wir hatten erwartet, daß auch der Bund deutscher Gartenarchitekten unserem Beispiel folgen würde und glaubten, dass dann ohne die Gebundenheit an Personen und Traditionen leicht und schnell eine neue Organisation entstehen könne, die alle die vergangenen Fehler abstossen würde und aus den verschiedenen Verbänden das Gute zu einem neuen geeigneten Berufsverband aufbauen könne. Leider schloss sich der Bund deutscher Gartenarchitekten dem Reichsbund Deutscher Technik an mit der Behauptung, dass er die einzige Vertretung der freischaffenden Gartenarchitekten des deutschen Reiches sei“ (6).
Die aus der professionellen Entwicklungsgeschichte herleitbare Stellung vieler Gartenarchitekten zwischen einer eher gartenkünstlerischen, einer eher gartentechnischen und einer eher gartenbaulichen Orientierung des Berufsverständnisses führte dazu, daß noch bis 1934, gleichsam von verschiedenen Positionen aus, um die höchsten Meriten im Bemühen um die Anpassung an nationalsozialistische Ideologie gerungen werden konnte. Inwieweit dabei die Frage eine Rolle spielte, ob die Gleichstellung besser über die öffentlich-rechtliche Gesamtkörperschaft der deutschen Landwirtschaft, den „Reichsnährstand“, oder über die öffentlich-rechtliche Gesamtkörperschaft der „Reichskulturkammer“ zu bewerkstelligen schien, läßt sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht klären. Der Vorsitzende des VDG begrüßt die nationalsozialistische Gleichschaltung, weil er sich davon eine einheitliche Organisation der Gartenarchitekten erhoffte (7).
Wie man die Einladung zur Generalversammlung des VDG am 31.7./1.8.1933 entnehmen kann, war zu diesem Termin die Auflösung des Verbandes geplant (Abb.37). Der VDG schloß sich dann dem „Reichsverband des deutschen Gartenbaus“ und damit dem „Reichsnährstand“, einer der größten NS-Organisationen an. Der „Reichsverband des deutschen Gartenbaus“ war als anerkannte Spitzenorganisation des deutschen Gartenbaus „vom Amt für Agrarpolitik der NSDAP mit der Organisation aller Zweige des deutschen Gartenbaus beauftragt“ (8). Bei der Eingliederung der VDG-Mitglieder als Gruppe der Gartenarchitekten in den Reichsverband erlangten einige von diesen erheblichen Einfluß. Die freischaffenden Gartenarchitekten waren in die Gruppe 6 „Garten-, Park und Friedhofsgestaltung“, eine von 7 Fachgruppen des Reichsverbandes, eingegliedert (9). Diese Fachgruppe wurde am 22.6.1933 auf einer Zusammenkunft im Reichsverband gegründet, an der auch das VDG-Mitglied GUNDER teilnahm (10). Es scheint sich dabei um eine Erweiterung des früheren „Fachausschusses für Gartenausführungen“ gehandelt zu haben, in dem bereits während der Weimarer Zeit neben überwiegend Landschaftsgärtnern auch einige Gartenarchitekten organisiert waren. Die Fachgruppe „Garten-, Park- und Friedhofsgestaltung“ gliederte sich in die Sondergruppen „Deutsche Gartenarchitekten“ (Wahlbund), „Gartenausführende“ (Unternehmer), „Friedhofsgärtner“ (11). Die hier vorgenommene Trennung in einen Wahlbund der Gartenarchitekten und der Sondergruppe der Unternehmer wurde durch den VDG beeinflußt. Der VDG hatte im Gegensatz zum BDGA, dessen überwiegenden Teil der Mitglieder sowohl Gartenarchitekt wie auch Unternehmer war, eine Trennung von Gartenarchitekten und Unternehmern von Anfang an befürwortet.
Ein großer Einfluß des ehemaligen VDG innerhalb der Fachgruppe „Garten-, Park- und Friedhofsgestaltung“ zeigt sich auch darin, daß die Führung dieser Fachgruppe bzw. ihrer Untergruppen überwiegend in den Händen von ehemaligen VDG-Mitgliedern lag. So war der Führer der Fachgruppe, ALLINGER (12), in den 20er Jahren VDG-Mitglied; der Vorstand der Sondergruppe „Deutsche Gartenarchitekten“ bestand anfangs aus ALLINGER (Führer), LANGERHANS und HIRSCH als Führerbeirat (13). LANGERHANS und HIRSCH waren langjährige VGD-Mitglieder, HIRSCH war von 1931 bis 1933 VDG-Vorsitzender. Zum Führer der „Sondergruppe der Gartenausführenden“ wurde das VGD-Mitglied ALDINGER bestimmt (14). Zumindest ALDINGER, ALLINGER und LANGERHANS waren auch in der NSDAP organisiert (15). Aus dem bereits erwähnten VDG-Rundbrief geht eindeutig hervor, daß die Gruppe „Deutsche Gartenarchitekten“ der Fachgruppe 6 in starker Anlehnung an den VDG entstanden ist. Es heißt dort: „In erster Linie interessiert uns die Sondergruppe Deutscher Gartenarchitekten, die im wesentlichen nach den seitherigen Grundsätzen des Verbandes deutscher Gartenarchitekten durchgeführt werden soll. Es sollen sich hier alle qualitativ einwandfreien Gartenarchitekten vereinigen… (Ausl.d.Verf.)… Wir machen es jedem unserer Mitglieder zur Pflicht, sich sofort, sofern es nicht geschehen ist, bei dem Reichsverband, Fachgruppe Garten-, Park- und Friedhofsgestaltung anzumelden“ (16).
Der BDGA dagegen löste sich nicht wie der VDG freiwillig auf, sondern trat in dem Bewußtsein, die legitime, da zahlenmäßig stärkere Interessenvertretung der deutschen Gartenarchitekten zu sein, auch nach 1933 als Standesorganisation auf und versuchte, als solche im Rahmen der Gleichschaltung die Führungsposition zu erlangen. Aus dem Brief des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste geht hervor, daß der BDGA noch im Februar 1934 als Berufsorganisation tätig war (17). Bereits Mitte 1932 hatte der BDGA-Vorsitzende KOENIG, der schon frühzeitig Nationalsozialist war (18), Kontakt zur NSDAP-Parteileitung geknüpft, um den Anspruch des BDGA als die eigentliche Standesvertretung der Gartenarchitekten zu festigen. So wird in der Bundeszeitschrift mitgeteilt: „Die immer eindeutigere Parteinahme des BDGA zur Bewegung Adolf Hitlers und die dadurch bewirkte nationalsozialistische Schulung der Bundesmitglieder führte dazu, daß der Vorsitzende des BDGA bereits im Juli 1932 der Reichsleitung der NSDAP melden konnte, daß der BDGA rückhaltlos hinter der Bewegung Adolf Hitlers stehe und bereit sei, auf Anfordern seinen gesamten Apparat sofort in den Dienst der NSDAP zu stellen“ (19) (Abb.38/39).
Was sich der BDGA-Vorsitzende unter anderem von der NSDAP versprach, geht aus dem ersten Heft der Bundeszeitschrift zur Machtergreifung der Nationalsozialisten hervor: „Der Bund deutscher Gartenarchitekten e.V., der seit nunmehr zwanzig Jahren immer wieder auf die Schäden der städtischen Regiebetriebe und insbesondere der städtischen Garten- und Friedhofsverwaltung hingewiesen hat… (Ausl.d.Verf.)… sieht in der Geburtsstunde des dritten Reiches, in Erinnerung des wirtschaftlichen Sofortprogrammes der NSDAP, das einen Abbau der Regiebetriebe der öffentlichen Hand, wie Vereinfachung der Verwaltung und die Beseitigung der Parteibuchbeamten fordert, nun endlich die Saat reifen, die er vor fast zwanzig Jahren ausstreute, und die er, unbeirrt von den erbitterten Anfeindungen des Beamtentums, zwanzig Jahre pfleglich betreute“(20).
Aus dieser Stellungnahme wird die Nähe des BDGA-Vorsitzenden zur nationalsozialistischen Ideologie bereits in der Weimarer Republik deutlich. Hier schienen nicht neue Grundlagen geschaffen und neue Aufgaben verteilt werden zu müssen, vielmehr konnten diese Positionen als Elemente der Kontinuität begriffen werden, die, in der Weimarer Republik angelegt, nun im Nationalsozialismus gesellschaftliche Vorteile versprachen. Ein anderer Artikel von KOENIG verdeutlicht, daß man sich vor allem auch eine Stärkung des „ständischen Aufbaus“ versprach (21).
Der BDGA sah seine Interessen aber nicht im Bereich des Gartenbaus innerhalb des Reichsnährtandes vertreten, wie dies der VDG durch seinen Anschluß an den „Reichsverband des deutschen Gartenbaus“ dokumentiert hatte, sondern schloß sich dem „Reichsverband Deutscher Technik e.V.“ (RDT) an (22), „jener Vereinigung, die sich nach ersten vielversprechenden politischen Ansätzen im Spätherbst 1918 dem konservativen Ziel verschrieben hatte, alle technischen Berufe zur Vorbereitung eines ständischen Staatsaufbaus zusammenzufassen“ (23) (Abb.40). Gleichzeitig wurden die BDGA-Mitglieder aufgefordert, dem „Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure“ (KDAI) beizutreten: „Die Eingliederung der freischaffenden Gartenarchitekten in die Technik ist durch den aus Veranlassung des Herrn Staatssekretärs Feder vollzogenen korporativen Beitritt zum Reichbund Deutscher Technik erfolgt. Der von der Reichsleitung der NSDAP mit der Sammlung der deutschen Techniker beauftragte Kampfbund der deutschen Architekten und Ingenieure hat den BDGA gleichfalls als Standesorganisation der freischaffenden Gartenarchitekten anerkannt mit der Bestimmung, daß die Mitglieder des BDGA als Einzelmitglieder dem Kampfbund der deutschen Architekten und Ingenieure beitreten müssen“ (24). Beide Organisationen, RDT und KDAI, waren eng mit der Person FEDERS verknüpft. Er war seit dem 21.4.1933 Präsident des RDT (25) und außerdem Reichsleiter des KDAI (26).
Die Bedeutung von RDT und KDAI sollte nicht überbewertet werden, und am Beispiel des KDAI ist darauf hinzuweisen, daß zahlreiche vergleichbare Organisationen in der Entstehungsphase des Nationalsozialismus gegründet wurden, die der NS-Ideologie in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen zum Durchbruch verhelfen sollten, ohne daß die einzelnen Organisationen großen Einfluss erlangten. Doch ist ein Grund für den Bedeutungsverlust führender BDGA-Mitglieder im Nationalsozialismus in der Tatsache zu sehen, daß sie mit dem RDT und KDAI sich zwei Organisationen anschlossen, die sich in den internen nationalsozialistischen Machtkämpfen nicht durchsetzen konnten. Der RDT verschwand 1934 „aus dem Umkreis der technischen Organisationen“, der KDAI wurde Mitte 1934 ausgelöst. FEDERs politische Karriere innerhalb der NSDAP endete Ende 1934 (27).
Diese Entwicklung dürfte den BDGA beim Kampf um die Führungsposition als Standesvertretung der Gartenarchitekten im NS-Staat gegenüber den VDG-Repräsentanten maßgeblich zurückgeworfen haben. Die Hoffnung, mit dem Ende der Weimarer Republik auch das Ende konkurrierender Verbände herbeiführen zu können, hatte sich als trügerisch erwiesen. Führerprinzip, Zwangsmitgliedschaft und Ausschließlichkeit als Folge nationalsozialistischer Gleichschaltungsmaßnahmen hatten nicht nur die Zerstörung demokratischer Organisationsformen zur Voraussetzung, sondern bedeuteten letztlich auch die Aufgabe fachlich identifizierbarer Verbandsstrukturen.
Der Kampf zwischen dem BDGA und den inzwischen im „Reichsverband des deutschen Gartenbaus“ organisierten VDG-Mitgliedern spiegelt sich in zahlreichen Artikeln, in denen die jeweiligen Organisationen ihren Alleinvertretungsanspruch artikulieren, wider. So kritisiert der Reichsverband die Anlehnung des BDGA an die Architekten und stellt den Gartenbau als einzig denkbare Berufsvertretung der Gartenarchitekten hin: „Die vorstehende Frage (Wo findet der Gartenarchitekt seine Berufsvertretung?, Anm. d. Verf.) wäre daher müßig, wenn nicht durch den BDGA Veröffentlichungen verbreitet worden wären, die zu Mißverständnissen Anlaß gegeben haben. Der BDGA hat sich dem Reichsverband Deutscher Technik und dem Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure (KDAI) angeschlossen. Wir bedauern natürlich diesen Schritt des BDGA, haben aber zunächst keinen Anlaß, der Tatsache, daß eine Gruppe von Gartenarchitekten es für richtig hielt, sich den Technikern, Architekten und Ingenieuren anzuschließen, besondere Bedeutung beizumessen. Wir müssen zur Aufklärung aller an der Frage interessierten Kreise Wert auf die Feststellung legen, daß die Planung und Anlage von Gärten, Parks und sonstigen Grünflächen nur von Männern durchgeführt werden kann, die mit dem Gartenbau aufs engste verbunden sind … (Ausl.d.Verf.) … Zur Sondergruppe Deutsche Gartenarchitekten (im Reichsverband des deutschen Gartenbaus, Anm.d.Verf.) gehören schon jetzt so viele und bekannte Gartenarchitekten, daß wir ein Recht haben zu sagen, die Gartenarchitekten sind beim Reichsverband des deutschen Gartenbaus organisiert“ (28).

3.2 Der „Bund deutscher Gartengestalter“ – eine aufgezwungene Interessenvertretung
Die endgültige Festlegung, wo sich die Gartenarchitekten im NS-Staat zu organisieren hätten, erfolgte dann auf der Grundlage der §§15 und 16 der ersten Verordnung zur Durchführung des Reichkulturkammergesetzes vom 1. November 1933 (1). Ein neugegründeter „Bund deutscher Gartengestalter“ wurde 1934 als Fachverband in die Reichkammer der bildenden Künste aufgenommen (Abb. 41). Die Zugehörigkeit zu einem solchen Fachverband war Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der Reichskammer und damit zur Ausübung des Berufs als „Gartengestalter“, wie sich die Gartenarchitekten jetzt zwangsweise nennen mußten (Abb. 42). Die Bezeichnung „Gartengestalter“ soll u.a. aufgrund des Einflusses maßgeblicher Architekten durchgesetzt worden sein, die damit eine dem Architekten gleichberechtigte Position des Garten-„Architekten“ verhindern wollten (2). Allerdings wurde der Begriff Gartengestalter auch schon früher von Gartenarchitekten, etwa von WILLY LANGE, verwendet. 1938 schließlich schlugen sich die neuen landschaftsbezogenen Aufgabenstellungen in der Umbenennung des Fachverbandes in „Fachgruppe Landschafts- und Gartengestalter“ nieder (Abb. 43).
Aus der Sicht des „Reichsverbandes des deutschen Gartenbaus“ wird diese Entwicklung wie folgt kommentiert: „Die Unklarheit, die viele Monate hindurch bezüglich der Vertretung der Gartengestalter herrschte, ist durch die Gründung des Bundes deutscher Gartengestalter im Rahmen der Reichskammer der bildenden Künste erfreulicherweise jetzt beseitigt. Der Bund deutscher Gartengestalter, der die Aufgabe haben wird, die kulturellen Bestrebungen auf dem Gebiet der Gartengestaltung zu fördern, ist ein selbstständiger Fachverband in der Reichskammer der bildenden Künste. Jeder deutsche Gartengestalter oder Gartenarchitekt, der aufgrund seiner künstlerischen Befähigung Anspruch darauf macht, Gärten, Parks und sonstige Grünanlagen planen zu dürfen, muß persönliches Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste sein. Wer nicht Mitglied des Bundes deutscher Gartengestalter und damit der Reichskammer der bildenden Künste ist, muß in Zukunft seine etwa bisher ausgeübte planende Tätigkeit einstellen“ (3).
Die erzwungene Gründung des „Bundes deutscher Gartengestalter“ verlief parallel zur Phase der Auflösung von KDAI und RDT, denen der BDGA sich 1933 angeschlossen hatte, und parallel zur Entmachtung FEDERs, der diesen Organisationen vorstand. Dies ist ein Indiz dafür, daß der BDGA anscheinend keine nennenswerten Einflußmöglichkeiten auf die Gründung des neuen Bundes und die Besetzung seiner Führungspositionen hatte. So ist es nicht weiter erstaunlich, daß mit LANGERHANS und SEIFERT auch zwei ehemalige Repräsentanten des VDG mit der Führung des „Bundes deutscher Gartengestalter“ beauftragt werden. In einer Mitteilung der Zeitschrift „Gartenschönheit“ heißt es dazu: „Zum Führer des Bundes wurde Oswald Langerhans, Hannover, benannt. Ihm stehen Gartendirektor a.D. Linne, Hamburg, und Architekt und Gartengestalter Alwin Seifert, München, zur Seite“ (4).
Doch reicht dies als Erklärung für den Machtzuwachs führender VDG- und den Bedeutungsverlust führender BDGA-Mitglieder während des Nationalsozialismus nicht aus. Es bleibt anzumerken, daß einige VDG-Mitglieder anscheinend existenzbedrohend gegen Repräsentanten des BDGA intrigiert haben. Als ein erster Hinweis darauf mag ein Rundschreiben an die Mitglieder der „Sondergruppe Deutscher Gartenarchitekten“, innerhalb derer die VDG-Mitglieder nach 1933 organisiert waren, dienen. Dort wird über die endgültige Organisation der Gartenarchitekten berichtet, für die, wie bereits dargestellt, innerhalb der Reichskammer der bildenden Künste ein eigener Fachverband (Bund) gegründet werden sollte. In diesem Rundschreiben wird unter anderem mitgeteilt: „Der Führer und Geschäftsführer des neuen Bundes sind noch nicht ernannt. Wir haben jedoch bei der Reichskammer bereits Einspruch dagegen erhoben, dass etwa die Gartenarchitekten König und Krüpper (d.h. führende BDGA-Mitglieder. Anm. d. Verf.) hierfür als Kandidaten aufgestellt werden. Für die Durchführung wurde von uns der jetzige Führer der Sondergruppe Deutsche Gartenarchitekten, PG. Oswald Langerhans, Hannover, vorgeschlagen.“ (5)
Des weiteren werden die Mitglieder der Sondergruppe Deutsche Gartenarchitekten quasi zu einer prophylaktischen Denunziation von BDGA-Mitgliedern aufgefordert; es heißt: „Wir ersuchen aber gleichzeitig unsere Mitglieder auch durch die Landesorganisationen in dem vorstehend angegebenen Sinne gegen irgendwelche Bevorzugung des B.D.G.A. beim Präsidenten der Reichskammer für bildende Künste, Berlin C.2 sofort Einspruch zu erheben“ (6).
An derartigen Intrigen, die Nationalsozialismus nicht nur die berufliche Existenz gefährdeten, sondern die lebensbedrohend sein konnten, war mit SEIFERT (Abb. 44) ein Gartenarchitekt maßgeblich beteiligt, der im VDG eine führende Rolle spielte und der gleichzeitig schon seit Beginn der Weimarer Zeit Verbindung zu Rudolf HESS, als „Führer-Stellvertreter“ einer der ranghöchsten Nationalsozialisten, hatte (7). SEIFERT hatte in der Phase der Gleichschaltung intensiven Kontakt zum Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, HÖNIG. Sowohl SEIFERT als auch HÖNIG waren Münchener Architekten, beide waren im „Bund Deutscher Architekten“ organisiert; HÖNIG war zumindest um 1930 Vorsitzender im Landesbezirk Bayern des BDA (8). Engere Kontakte zwischen beiden werden sichtbar aus einem Brief eines Mitarbeiters der Abteilung „Baukunst“ in der Reichskammer der bildenden Künste an SEIFERT, in dem es heißt, daß „nur Seifert allein für ihn (HÖNIG, Anm. d. Verf.) der Gartengestalter sei“ (9). SEIFERT scheint seinen Einfluß auf HÖNIG von Anfang an zielstrebig genutzt zu haben, um von vornherein jede Mitwirkung von BDGA-Mitgliedern im Rahmen der Gleichschaltung zu verhindern, ja anscheinend sogar, um die Aufnahme führender BDGA-Mitglieder in die Reichskammer der bildenden Künste ganz zu verhindern, was faktisch die Existenzvernichtung durch Berufsverbot bedeutete. Um die Tragweite von SEIFERTs Vorgehen nachvollziehbar zu machen, soll ein entsprechender Brief HÖNIGs an SEIFERT vollständig wiedergegeben werden (Abb.45).
Folgt man HÖNIGs Äußerungen in diesem Brief an SEIFERT, so hatten ALLINGER und SEIFERT also maßgeblichen EInfluß auf das Aufnahmeverfahren in die Reichskammer der bildenden Künste. Aus einem späteren Schreiben geht hervor, daß HÖNIG, einer Anregung SEIFERTs folgend, die in einem Schreiben SEIFERTs vom 6.2.1934 genannten Gartenarchitekten aufgefordert habe, „mir Unterlagen über ihre gartenkünstlerische Gestaltungsfähigkeit einzureichen. Ich werde auch diese Arbeiten dem Ausschuss vorlegen, der mir über die Gesamtleistung der Gartengestalter Bericht erstatten soll“ (10). Die Anrufung zur Überprüfung bestimmter Gartenarchitekten stammt also offenbar von SEIFERT. HÖNIG benannte als Mitglieder des Prüfungsausschusses GUNDER, SCHNEIDER und GEBER. Mit GUNDER war also auch hier die Einflußnahme des ehemaligen VDG gewährleistet. Es muß an dieser Stelle angemerkt werden, daß sich die Prüfung zur Aufnahme in die Reichskammer allerdings nicht auf BDGA-Mitglieder beschränkte, sondern alle Gartenarchitekten betraf, die Kammermitglied werden wollten (11). Die dargestellten Belege deuten allerdings an, daß die Prüfung vor allem einer besonders kritischen Auswahl von BDGA-Mitgliedern dienen sollte.
Die Wirksamkeit solchen Intrigantentums läßt sich abschätzen, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Gartenarchitekten nach 1933 vor allem in Erscheinung getreten sind. Von führenden BDGA-Mitgliedern wie BOEKKING, KRUEPPER, KOENIG, PNIOWER (12) lasse sich nach 1933 keine Publikationen oder Hinweise auf die Wahrnehmung bedeutender Aufgaben finden. Die Ausschaltung jener Gartenarchitekten ging über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus. Sie bedeutete nicht nur die Behinderungen ihrer professionellen Existenz oder gar deren Ende, sondern auch deren Spurenverwischung in den Gedächtnissen heute noch lebender Zeitgenossen, die über den Verbleib der betreffenden Berufskollegen nahezu nichts zu wissen scheinen. Einzig über PNIOWER ist noch bekannt, daß er durch die Nationalsozialisten verfolgt worden ist (13). Aus sogenannten „rassischen“ und „politischen“ Gründen wurde ihm die Aufnahme in die Reichskammer verweigert (14). Das Berufsverbot für seine Frau, Ruth PNIOWER, ebenfalls BDGA-Mitglied, wird 1936 im „Mitteilungsblatt der Reichskammer der bildenden Künste“ öffentlich bekannt gegeben. Es heißt unter der Rubrik „Untersagung der Berufsausübung als Architekt und Gartengestalter“:
„Folgenden Personen wurde auf Grund des § 10 der ersten Verordnung zur Durchführung des Reichkulturkammergesetztes vom 1. November 1933 (RGBI. I, S. 797) wegen Unzuverlässigkeit die Ausübung des Berufes untersagt: den ehemaligen Architekten … (Ausl. d. Verf.) … den ehemaligen Gartengestaltern: BAUMANN, Willi, Altona a. d. Elbe, Große Brunnenstr. 8; PNIOWER, Ruth, Berlin-Zehlendorf, Hochsitzweg 105. Die zuständigen Polizeibehörden sind angewiesen worden, zu überwachen, daß obige Personen den Beruf als Architekten oder Gartengestalter nicht mehr ausüben“ (15) (Abb. 46). Da das Mitteilungsblatt allen in der Reichskammer organisierten Gartengestaltern zugestellt wurde, mußten derartige Informationen innerhalb des Berufsstandes bekannt sein. Berücksichtigt man, daß die genannten Gartenarchitekten vor 1933 in exponierten Positionen waren, so wird ersichtlich, welche erstaunlichen Verdrängungsleistungen von den zeitgenössischen Nicht-Betroffenen nach 1933 bis zum heutigen Tag vollbracht worden sind.
KOENIG und auch KRUEPPER scheinen allerdings auch während der Zeit des Nationalsozialismus gearbeitet zu haben. KRUEPPER wurde unter der Nummer Gg 129 in der Reichskammer der bildenden Künste als Gartengestalter geführt (16). Im Reichsadreßbuch von 1937 ist eine Werbeanzeige für KOENIG als Gartengestalter enthalten, die nicht hätte erscheinen können, wäre er nicht ebenfalls Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste gewesen (17).
Von führenden VDG-Mitgliedern liegen keine Indizien vor, die auf eine vergleichbare Entwicklung hinweisen. Angemerkt werden soll aber, daß SPÄHT, VDG-Mitglied seit 1931, (18), in einem Konzentrationslager, vermutlich Anfang der 40er Jahre, umkam. Als relativ gesichert kann gelten, daß er von einem Mitglied seiner Firma denunziert worden ist. Auch er ist ein Beispiel für die systematischen Verdrängungsleistungen, denn immerhin war er Besitzer der damals in Europa wohl bekanntesten Baumschule, die auch ein großes Gartenarchitekturbüro besaß (19).
Einige andere Mitglieder des VDG dagegen konnten im Nationalsozialismus ihre Position innerhalb des Berufsstandes noch erheblich ausbauen. ALDINGER war ebenso wie SEIFERT an der Gleichschaltung der Gartenarchitekten beteiligt (siehe oben). Er war von 1934 bis 1945 Vorsitzender des „Reichsverbandes der Gartenausführenden und Friedhofsgärtner“ (20) und bereits 1933 überzeugter Nationalsozialist, wie sich der folgenden Äußerung entnehmen läßt: „Bei der Schulungstagung Garten, Park und Friedhof auf dem Gartenbautag in Hannover 1933 habe ich gesagt: Unser Führer Adolf Hitler hat die gigantische Arbeit vollbracht, das Volk von einer korrupten Wirtschaft zu befreien. … (Ausl. d. Verf.) … Adolf Hitler hat uns wieder zu freien, verantwortungsbewußten Menschen gemacht, zu Menschen, die die Arbeit und Daseinsberechtigung jedes ehrlich wollenden Menschen anerkennen“ (21). Auch die Verfolgung der Juden wird von ihm unterstützt: „Im Rahmen des Judenproblems, das bereits durch die Maßnahmen der Reichsregierung in Deutschland seine gesetzliche Lösung und Regelung erfahren hat“, fordert er, endlich auch „das Problem der jüdischen Friedhöfe ganz generell zu klären, damit auch auf diesem Gebiet eine einheitliche und endgültige Regelung erfolgt“ (22).
ALLINGER nahm in der Anfangsphase der Gleichschaltung der Gartenarchitekten wahrscheinlich die führende Position überhaupt ein und wird u.a. 1933 Präsident der DGfGK (23) und Leiter der Säule I, einer von drei Abteilungen innerhalb der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur“, die mit der Gleichschaltung auf gartenkulturellem Gebiet beauftragt war. Machtkämpfe zwischen ALLINGER, LANGERHANS, SEIFERT und WIEPKING-JÜRGENSMANN scheinen allerdings den Verlust dieser Führungsrolle Mitte der 30er bewirkt zu haben. GUNDER, ebenfalls eines der aktiven VDG-Mitglieder, ist 1935 stellvertretenden Präsident der DGfGK (24). HIRSCH, der letzte Vorsitzende des VDG bis 1933, bearbeitete u.a. während des Krieges im Osten, anscheinend im Bereich sogenannten Führerhauptquartiers, größere Aufgaben und hatte im Rahmen dieser Tätigkeit Kontakte zu HITLER. Er schrieb in einem Brief an SEIFERT, daß er im Osten eine Anlage übergeben habe: „Bei dieser Gelegenheit wurde ich erneut dem Führer vorgestellt und anschließend zum Essen befohlen. Es waren hochinteressante 1½ Stunden, die ich hier im Kreise des Führers und aller führende Köpfe unseres Reiches verbringen durfte … (Ausl. d. Verf.) … Die Anlage selbst hat seine außerordentliche Zufriedenheit gefunden. Er fühlt sich dort, wie ich auch inzwischen wiederholt erfahren konnte, äusserst wohl. Wir waren während den zwei Tagen, wo wie dort waren, die Gäste des Hauptquartiers“ (25).
Diese Aussagen lassen eine bemerkenswerte Nähe zu höchsten NS-Persönlichkeiten erkennen.
Für den Reichsführer SS, Heinrich HIMMLER, bearbeitete HÜBOTTER, einer der bekanntesten Gartenarchitekten im Nationalsozialismus und ebenfalls ehemaliges VDG-Mitglied, den Sachsenhain, eine alten Thingstätten nachempfundene Gedenk- und Versammlungsstätte (26) (Abb.47).
Von BOETTNER d.J., dem Führer der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur“, bekam LANGERHANS, der bereits Führer des „Bundes deutscher Gartengestalter“ war, in der Nachfolge ALLINGERs kurzfristig auch die Führung der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst“ übertragen (27). Noch im Jahr 1935 ging die Führung der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst“ jedoch auf den Alt-Nationalsozialisten und Leiter des Berliner Gartenamtes, PERTEL, der unseres Wissen weder im VDG noch im BDGA Mitglied gewesen ist, über (28).
Der LANGERHANS als dem Führer des „Bundes deutscher Gartengestalter“ zur Seite gestellte Gartenarchitekt SEIFERT war gleichzeitig unter dem Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, TODT, der für die Landschaftsgestaltung beim Reichsautobahnbau verantwortliche „Reichslandschaftsanwalt“ (29). Zu dem Kreis der Landschaftsanwälte gehörten aus der Gruppe der führenden VDG-Repräsentanten auch ERXLEBEN, HIRSCH, HÜBOTTER und LANGERHANS, die während des Nationalsozialismus also in exponierten Stellungen tätig waren.
Das eher liberale Staatsverhältnis in der Weimarer Republik, das die Herausbildung unterschiedlicher sozialer Organisationsformen als Interessenvertretungen begünstigt hatte, hätte möglicherweise die weitere professionelle Profilierung der Gartenarchitekten erlaubt. Unter der staatlichen „Fürsorge“ des Nationalsozialismus hingegen, die sich in der Zwangsmitgliedschaft, im Führerprinzip und in der Ausschließlichkeit ausdrückte, wurde im Verlauf weniger Jahre eben jenes „Gefühl trostloser Leere“ erzeugt, das angeblich die Lage in der Weimarer Republik charakterisierte. Die tatsächliche Entwicklung der Gartenarchitektur im Nationalsozialismus stand in offensichtlichem Gegensatz zu der etwa vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, GOEBBELS, behaupteten Förderung der „künstlerisch-kulturelle(n) Entwicklung“ über die der Staat „seine schützende Hand darüber halten“ wollte, indem er einen „Zusammenschluß aller Schaffenden in einer geistigen Kultureinheit“, der Reichskulturkammer, erzwang (30).
Der „Bund Deutscher Gartengestalter“, dies sei abschließend festgestellt, hat die Interessen des Berufsstandes der Gartenarchitekten nur höchst unzureichend vertreten. Er war ein den Gartenarchitekten aufgezwungener Verband, der mit seiner Tätigkeit die Machtinteressen des NS-Staates bei den Gartenarchitekten durchsetzen sollte. Die Zerschlagung von BDGA und VDG als demokratisch legitimierten Berufsverbänden hat eine effektive Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus nicht gefördert, sondern erschwert und verhindert. Zudem wurde damit die Auseinandersetzung über die Aufgaben einer berufsständischen Interessenvertretung unterdrückt. Diese Diskussion hätte ggf. zum Zusammenschluß von VDG und BDGA oder auch zur deutlichen Ausformung von deren unterschiedlichen Position führen können. Ansätze dazu waren in der Zeit der Weimarer Republik von BDGA und VDG formuliert worden. Die Bemühungen um die Durchsetzung von Gebührenordnungen, um die Anerkennung als Gartenkünstler, um urheberrechtlichen Schutz der Werke von Gartenarchitekten, um die Entwicklung des Ausstellungs- und Wettbewerbswesens legen davon Zeugnis ab. Die im folgenden Zitat aus dem „Handbuch der Reichkulturkammer“ 1937 beabsichtigte Stärkung und Förderung des Berufszweigs der Gartengestalter war ins Gegenteil umgeschlagen: „Die Reichskammer der bildenden Künste ist bestrebt, diesen bisher in der Vereinzelung fast unbekannt gebliebenen und in seiner Bedeutung nicht genügend gewürdigten künstlerischen Berufszweig zu stärken und zu fördern“ (31). Führende Mitglieder der Verbände der Gartenarchitekten hatten dazu beigetragen, durch ihre Orientierung an der nationalsozialistischen Ideologie, die in der Weimarer Republik begonnene Entwicklung einer durchsetzungsfähigen Interessenvertretung auf demokratischer Basis, zu zerstören. Die Tradition des BDGA der Weimarer Republik hört in den Jahren 1933/34 auf. Seither scheint sie vergessen.
Am 19.6.1948, drei Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, findet in Hannover eine Tagung freischaffender Gartenarchitekten statt, die zur Gründung des „Bundes deutscher Gartenarchitekten“ (BDGA) führt. Aus dem Protokoll und der Teilnehmerliste zu dieser Tagung läßt sich entnehmen, daß viele der etwa 80 aufgeführten Teilnehmer wohl keiner der beiden Vorläufer-Organisationen angehörten. In dem kleineren Teil ehemaliger VDG- und BDGA-Mitglieder überwogen die aus dem VDG. Mit dieser Gründungsversammlung wird ein neuen Kapitel in der Geschichte der professionellen Organisationen auf dem Gebiet der Gartenarchitektur begonnen. Welche Verflechtungen, Kontinuitäten und Brüche diese nunmehr bereits vierzigjährige Entwicklung bestimmen, soll in einer gesonderten, zeitlich nachfolgenden Darstellung aufgezeigt werden.


Quellen
Kapitel 3./3.1
(1) Zur Gleichschaltung siehe auch HENNEBO 1973, GRÖNING/WOLSCHKE 1985
(2) Erste Verordnung zur Durchführung des Reichkulturkammergesetzes, § 3, zit. Nach HINKEL 1937, 27.
(3) Ma, 1936, 84
(4) Siehe dazu z. B. die entsprechenden Jahrgänge der Zeitschrift „Gartenkunst“; siehe auch GRÖNING/WOLSCHKE-BULMANN 1987.
(5) ALLINGER 1933, 134
(6) HIRSCH 1933
(7) Vgl. Vorstand 1923, 4; KOENIG, zit. nach Verband 1923
(8) Wh. 1933, 2
(9) Vgl. ALLINGER 1933, 136
(10) Vgl. HIRSCH 1933
(11) Vgl. ALLINGER 1933, 136
(12) Vgl. ALLINGER 1933, 136
(13) Vgl. HIRSCH 19331
(14) Vgl. HIRSCH 1933
(15) Dies läßt sich verschiedenen Fachzeitschriften entnehmen. ALLINGER ist spätestens seit 1933 NSDAP-Mitglied (vgl. ALLINGER 1933, 136), LANGERHANS spätestens seit 1935 (vgl. ANONYM 1935, 213) und ALDINGER spätestens seit 1936 (vgl. Programm… 1936: 228).
(16) HIRSCH 1933
(17) Vgl. HÖNIG 1934
(18) BARTH 1933,18
(19) KOENIG 1933, 29
(20) KOENIG 1933, 3
(21) Vgl. KOENIG 1933, 30
(22) Vgl. KOENIG 1933
(23) LUDWIG 1979, 111
(24) KOENIG 1933, 31
(25) Vgl. LUDWIG 1979
(26) Vgl. KOENIG 1933, 31
(27) Vgl. LUDWIG 1979, 123 ff.
(28) Wh. 1933, 2
Kapitel 3.2
(1) Vgl. LANGERHANS 1935, 51
(2) Hinweis von Prof. Adolf SCHMITT, mdl. 1984
(3) WEINHAUSEN 1934, 4
(4) S.CC. 1934, 52
(5) WEINHAUSEN o.J.
(6) WEINHAUSEN o.J.
(7) Vgl. GRÖNING/WOLSCHKE 1985, 444
(8) Vgl. DRESSLER 1930
(9) HEISS 1935
(10) HÖNIG 1934a
(11) Vgl. HÖNIG 1934
(12) Vgl. PNIOWER 1935
(13) Vgl. GRÖNING/WOLSCHKE-BULMAHN 1985
(14) PNIOWERS Antrag zur Aufnahme in die Reichskammer wird abgelehnt, eine Beschwerde gegen diese Ablehnung wird am 9.11.1940 abgewiesen. (…) (Berlin Document Center).
(15) Reichskammer… 1936, 7
(16) Vgl. Berlin Document Center
(17) Vgl. Reichsadressbuch 1937
(18) Vgl. H. 1931
(19) Vgl. HAMMERBACHER 1977, 964
(20) Vgl. ANONYM 1973, 228
(21) ALDINGER 1936, 3
(22) ALDINGER 1939, 8f.
(23) Vlg. ALDINGER 1933, 134, vgl. auch Berlin Document Center
(24) Vgl. ANONYM 1935, 32
(25) HIRSCH 1942
(26) Vgl. ANONYM 1935, 6; siehe dazu auch BERKELMANN 1937
(27) Vgl. LANGERHANS 1935 und 1935a
(28) Vgl. dazu GRÖNING/WOLSCHKE-BULMAHN 1987
(29) Vgl. dazu auch NIETFELD 1985, 5; vgl. GRÖNING/WOLSCHKE-BULMAHN 1987a
(30) GOEBBELS, zit. Nach HOFER 1957, 96
(31) HINKEL 1937, 45

Quellen:
Wolschke-Bulmahn, J.; Gröning, G. (1988): 1913 – 1988. 75 Jahre Bund Deutscher Landschafts-Architekten BDLA. Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (Hrsg.), Bonn, ISBN 3-88579-037-8.